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Mars News

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Extreme bemannte Raumfahrt: Was würde ein Marsflug den Reisenden abverlangen?
NASA-Astronaut Jeff Williams blickt auf seine Laufbahn als Astronaut zurück und beschreibt, was Marsreisende durchstehen müssten.

Von Victoria Jaggard
Nadia Drake

VERÖFFENTLICHT: 15. SEPTEMBER 2016

Bei seiner Landung in einer großen Staubwolke in der kasachischen Steppe am 6. September war Jeff Williams neuer Rekordhalter als NASA-Astronaut mit der längsten insgesamt im Weltraum verbrachten Zeit.

Williams war an Bord der Internationalen Raumstation unterwegs. Dort erweiterte er das Labor mit einem aufblasbaren Habitat, einer Andockstation und einer hochauflösenden Kamera.

Die 172 Tage dauernde Reise, sein vierter Aufenthalt im Weltraum, erhöhte seine insgesamt im Orbit verbrachte Zeit auf 534 Tage. Vor ihm war sein bekannter Kollege Scott Kelly mit 520 Tagen Rekordhalter gewesen.

(Siehe 15 beeindruckende Fotos von Scott Kelly im Weltraum.)

„Es ist eine unglaubliche Erfahrung, die Details der Erde aus diesem Blickwinkel zu sehen. Man erkennt, dass die Erde in einzigartiger Weise für das Leben geeignet ist“, berichtete Williams dem National Geographic kurz nach seiner Rückkehr zur Erde. (Vollständiges Interview siehe oben.)

Williams hält den US-Titel mit relativ knappem Vorsprung: Peggy Whitson könnte ihn mit 560 Gesamttagen bald überholen. Und natürlich bleiben die russischen Kosmonauten die unangefochtenen Weltmeister: Gennady Padalka hat insgesamt 879 Tage im Weltraum verbracht und mehr als fünf Missionen zur ISS und ihrem Vorgänger, der russischen Raumstation MIR, absolviert.

Astronaut Jeff Williams installierte auf seiner Rekordmission unter anderem einen neuen Andockadapter an der Internationalen Raumstation. Für diese Arbeit unternahm er einen sechsstündigen Weltraumspaziergang. (LINKS) UND BILD: NASA

Rekorde der Raumfahrt sind für die NASA von größtem Interesse, weil die Behörde die Herausforderungen für Besatzungsmitglieder auf noch erheblich längeren Reisen erforscht – zum Beispiel auf Reisen zum Mars. Nach den aktuellen Vorstellungen der NASA könnte eine Mission zum Roten Planeten bis zu 1.100 Tage dauern. Deshalb muss erforscht werden, wie Menschen auf längere Phasen mit minimaler Gravitation, kosmischer Strahlung und beengtem Raum sowie viele weitere ungewöhnliche Umstände reagieren.

Zurzeit ist unsere beste Näherung die Beobachtung des Wohlergehens langgedienter Astronauten nach langer Zeit im Erdorbit. Außerdem können wir erforschen, wie sich simulierte Weltraummissionen auf Freiwillige auf der Erde auswirken. Ein Beispiel dafür ist HI-SEAS, eine simulierte Marsmission, die vor Kurzem auf Hawaii begann und ein ganzes Jahr dauern soll. (So haben Simulationsteilnehmer ein Jahr in rauher, marsähnlicher Umgebung erlebt.)

Im Folgenden erinnern wir an einige Rekorde in der Weltraumforschung und vergleichen sie mit den Anforderungen von Marsmissionen.

Längster zusammenhängender Aufenthalt im Weltraum

Seit 1995 hält der Kosmonaut Waleri Poljakow den Rekord für die längste Zeit, die ein Mensch zusammenhängend im Weltraum verbracht hat. Er lebte und arbeitete von Januar 1994 bis März 1995, also 437 Tage lang, ohne Unterbrechung an Bord der russischen Raumstation MIR. Laut Wired blieb Poljakow freiwillig so lange im Orbit, um zu beweisen, dass Menschen längere Zeit ohne Gravitation überstehen und einer Reise zum Mars gewachsen sind. Sein Rekordabenteuer scheint keine größeren Spuren hinterlassen zu haben – Poljakow, inzwischen 74 Jahre alt, ist bis heute aktives Mitglied der Raumfahrtbiomedizinischen Gesellschaft.

The Soyuz spacecraft drifts to Earth carrying Jeff Williams and two Russian cosmonauts after a 172-day mission on the International Space Station. PHOTOGRAPH BY BILL INGALLS, NASA, GETTY IMAGES
Das Sojus-Raumschiff triebt zur Erde. An Bord sind Jeff Williams und zwei russische Kosmonauten nach einer 172 Tage langen Mission an Bord der ISS.
BILD: BILL INGALLS, NASA, GETTY IMAGES

Das Sojus-Raumschiff treibt zur Erde – an Bord sind Jeff Williams und zwei russische Kosmonauten nach einer 172 Tage langen Mission an Bord der ISS.

Weiteste Entfernung von der Erde

An die Astronauten Jim Lovell, Fred Haise und Jack Swigert erinnert man sich vor allem wegen ihres nervenaufreibenden Vorbeischwungmanövers um den Mond während der Apollo 13-Mission. Das Trio wird es sicherlich bedauert haben, dass es die Oberfläche des Mondes nicht erreichen konnte. Andererseits können sie sich eine andere Leistung zugutehalten: Das Manöver, mit dem sie ihr beschädigtes Raumschiff sicher zur Erde zurückbrachten, führte sie zu dem am weitesten von der Erde entfernten Punkt, den je ein Mensch erreicht hat. Im April 1970 befanden sich die drei Astronauten 400.000 Kilometer von unserem Planeten entfernt. Mars-Abenteurer haben dagegen eine Reise von 400 Millionen Kilometern vor sich.

Längster Weltraumspaziergang

Im Weltraum zu arbeiten bedeutet, ab und zu das Innere des Raumschiffs zu verlassen, um Außenreparaturen oder -modifikationen am Raumschiff oder am Habitat-Modul vorzunehmen. Und dies verlangt bisher das Anlegen eines sperrigen, unter Druck stehenden Raumanzugs. Im März 2001 führten die NASA-Astronauten Jim Voss und Susan Helms den längsten zusammenhängenden Weltraumspaziergang durch. Sie verbrachten acht Stunden und 56 Minuten außerhalb der ISS.

Die Teams auf dem Mars werden die relative Sicherheit ihres Habitat-Moduls ebenfalls für längere Zeiträume verlassen müssen. Deshalb arbeitet die NASA an Möglichkeiten, die Konstruktion der Raumanzüge zu verbessern, sie zum Beispiel flexibler zu machen und das An- und Ausziehen zu erleichtern.

Längste Zeit auf einem anderen Himmelskörper

1972 lebten und arbeiteten Harrison Schmitt und Eugene Cernan mehr als drei Tage auf dem Mond. Das ist die längste Zeit, die ein menschliches Wesen jemals auf einem anderen Himmelskörper als der Erde zugebracht hat.

Wenn man Reisezeit und Entfernung berücksichtigt, würde die Verweildauer von Menschen auf dem Mars bedeutend länger ausfallen. Einige Missionspläne sehen monate- oder sogar jahrelange Aufenthalte vor.

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