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Elon Musk: 2060 könnten auf dem Mars eine Million Menschen leben
Für die Besiedelung des Mars plant das Raumfahrtunternehmen SpaceX die Betankung von Raumschiffen im Erdorbit, eine Flotte von Passagier-Raumschiffen und die größte jemals hergestellte Rakete.

Von Nadia Drake

VERÖFFENTLICHT: 27. SEPTEMBER 2016

GUADALAJARA, MEXIKO In seiner mit Hochspannung erwarteten Rede hat SpaceX-Gründer Elon Musk seinen Masterplan zur Besiedelung des Mars vorgestellt.

Musk glaubt, dass schon innerhalb des nächsten Jahrzehnts Tausende Menschen zwischen der Erde und ihrem kleineren, rötlichen Nachbarplaneten hin- und herfliegen könnten. Nicht lange danach, vielleicht 40 oder 100 Jahre später, könnte der Mars Heimat einer unabhängig lebensfähigen Kolonie von einer Million Menschen sein.

„Es geht nicht darum, dass möglichst viele Leute auf den Mars ziehen, sondern darum, zu einer multiplanetaren Zivilisation zu werden“, erklärte er am 27. September auf dem International Astronautical Congress in Guadalajara, Mexiko. „Es geht um die Minimierung existenzieller Gefahren und um sehr viel Abenteuerlust.“

Musks Zeitplan klingt ambitioniert, wie er auch selbst eingesteht.

„Ich denke, dass die technische Konzeption des Plans grundsätzlich richtig ist. Und Musk hat auch keineswegs behauptet, dass es leicht werden würde oder dass er es in zehn Jahren schaffen wird“, sagt Bobby Braun, ehemaliger Chefingenieur der NASA, der heute an der Georgia Tech University unterrichtet. „Wer kann heute wirklich sagen, was in 100 Jahren möglich sein wird?“

Für Zweifler hat Musk ein einfaches Argument.

„Für die Zukunft der Menschheit gibt es nur zwei Alternativen: Entweder werden wir eine Mehrplaneten-Spezies, die durch den Weltraum reist, oder wir bleiben auf einem einzigen Planeten gefangen, der früher oder später ausgelöscht werden wird“, erklärte Musk in einem Interview von Ron Howard zur globalen Eventserie MARS vom National Geographic Channel (Erstausstrahlung ab 14. November).

„Damit ich inspiriert in die Zukunft blicken kann, muss ich mich der ersten Option zuwenden. Die einzig sinnvolle Lösung lautet: Wir werden zu einer Raumfahrt-Zivilisation.“

Marsflotte

Musk glaubt, dass Menschen schon Mitte der 2020er Jahre zum Mars fliegen könnten. Hier ist sein Plan: Am Anfang steht eine sehr große Rakete, die mit allen Komponenten mindestens 60 Meter hoch sein wird.

In einer Simulation des interplanetaren Transportsystems von SpaceX startet ein Raumschiff voller Astronauten auf einer 12 Meter breiten Booster-Rakete, die eine Schubkraft von 125 Millionen Newton erzeugt. Mit  42 Raptor-Triebwerken beschleunigt die Booster-Rakete die Gesamtkonstruktion auf 8.650 Kilometer pro Stunde.

Das System ist 3,5 Mal so stark wie die Saturn V-Rakete der NASA, die bisher größte jemals gebaute Rakete, mit der die Apollo-Missionen auf den Weg zum Mond gebracht wurden.

Die Rakete würde die Kapsel mit der Besatzung in eine Umlaufbahn um die Erde transportieren. Danach soll die Booster-Rakete zu einer weichen Landung auf der Startrampe ansetzen. Ein Vorgang, der mit SpaceX-Raketen seit mehr als einem Jahr gelingt. Im nächsten Schritt würde sie ein Betankungsschiff in den Orbit transportieren, das dem Besatzungsschiff den notwendigen Treibstoff für die Reise zum Mars liefert.

Auf dem Weg zum Mars würde das Besatzungsschiff Sonnenenergie nutzen, um wertvollen Treibstoff für die Landung auf dem Roten Planeten zu sparen.

Nach Musks Vorstellung sollen ganze Flotten dieser bemannten Kapseln im Erdorbit treiben, bis eine Planetenkonstellation mit einer möglichst kurzen Entfernung zwischen Erde und Mars eintritt, was alle 26 Monate vorkommt. „Letztendlich würden Tausend oder mehr Besatzungsschiffe im Orbit warten. Die Flotte zur Marsbesiedlung würde sich in einer Formation auf den Weg machen“, so Musk.

Musk geht davon aus, dass jede Booster-Rakete tausend Mal wiederverwendet werden kann, jedes Tankschiff hundert Mal und jedes Besatzungsschiff zwölf Mal. Er stellt sich vor, dass anfangs vielleicht 100 Menschen in ein Besatzungsschiff einchecken und diese Anzahl nach und nach auf mehr als 200 gesteigert werden kann.

Dieser Berechnung zufolge würde es nach dem Start des ersten Schiffes zwischen 40 und 100 Jahre dauern, eine Million Menschen auf den Mars zu bringen.

Und dieser Weg müsste nicht zwingend eine Einbahnstraße sein: „Es ist meiner Meinung nach sehr wichtig, den Menschen eine Rückkehroption zu bieten“, findet Musk.

Besiedelung des Mars

Die ersten Siedler müssten zunächst vor allem nach Eis graben, um wertvolles Wasser zu gewinnen und daraus Methan-Treibstoff herzustellen. Sie müssten „Bastler und Reparierer“ sein, „beherzte Entdeckernaturen“, erklärte Musk gegenüber Howard. „Bist du bereit zu sterben? Wenn das OK ist, bist du ein Kandidat für die Expedition.“

Es wird ohne Zweifel einen harten Kampf und viel Aufsehen um die ersten Plätze einer Marsmission geben. Sorgen macht sich Musk allerdings darüber, dass der erste Fußabdruck auf dem Mars zu wichtig genommen werden könnte.

„Im größeren historischen Kontext kommt es darauf an, in der Lage zu sein, eine möglichst große Zahl von Menschen dort hinzubringen, also Zehn- oder gar Hunderttausende, und letztendlich Millionen Tonnen Fracht“, betont er.

Bei seiner Vision für die Besiedelung des Mars geht es also eher um einen Ausdauerlauf als um einen Sprint.

„Ich glaube, dass wir eine Wiederholung von Apollo vermeiden sollten“, sagt Musk. „Wir sollten nicht nur ein paar wenige Menschen mit ein paar wenigen Missionen zum Mars senden und später nie wieder dort landen. Denn dann würden wir das Ziel einer multiplanetaren Zivilisation verfehlen.“

Wer zahlt für „Muskville“?

Musks Vision eines zweiten eigenständigen Lebensraums für Menschen im Sonnensystem ist groß und hochfliegend, aber keineswegs neu. Was Musks Plan von Science-Fiction-Literatur unterscheidet, ist, dass er ihn möglicherweise tatsächlich umsetzt – falls es ihm gelingt, die Kosten auf das geplante Niveau zu drücken.

„Unternehmer können sich Fragen widmen, über die wir lediglich hypothetisch nachdenken, zum Beispiel Ultraschall-Bremsraketen“, sagte NASA-Administrator Charlie Bolden bei einer Podiumsdiskussion beim International Astronautical Congress.

„Natürlich können wir an den Zahlen herumkritteln und an den Kostenschätzungen und Zeitplänen, aber wir sollten nicht vergessen, dass dieser Mann heute auf die internationale Bühne getreten ist und einfach einen umfassenden Plan vorgelegt hat“, ergänzt der ehemalige Chefingenieur Braun. „Ich fand es erfrischend.“

Damit der Mars ein realistisches Ziel wird, müssen die Kosten der Reise laut Musk auf 200.000 US-Dollar gesenkt werden, also auf den mittleren Preis eines Hauses in den Vereinigten Staaten. Das wäre eine massive Reduzierung im Vergleich zum heutigen Preis. Musk geht nicht davon aus, dass er all dies allein schaffen kann.

Elon Musk bei der Vorstellung der Dragon 2 im Mai 2014. PHOTOGRAPH BY JAE C. HONG, AP

„Ich denke, wir sollten so viel Unterstützung wie möglich aus privaten Quellen gewinnen und danach weitestgehend auf staatliche Ressourcen zurückgreifen, damit die Arbeit auch dann weitergeht, wenn eine dieser Finanzierungsquellen versiegen sollte.“

Aber das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Managementstile, unterschiedlicher Möglichkeiten zur Inkaufnahme von Risiken und unterschiedlicher Finanzierungsquellen sowie der Umgang mit den Arbeitsweisen klassischer Behörden werden, vorsichtig ausgedrückt, nicht einfach sein.

Wie könnte dies alles funktionieren? „Mit sehr viel Reibung“, sagt Raumfahrtpolitik-Experte John Logsdon, emeritierter Professor der George Washington University. „Viele Beteiligte werden sich von vielen liebgewonnenen Gewohnheiten trennen müssen.“

Damit der Mars 2020 erreicht wird, muss zum Beispiel SpaceX wesentlich schneller technische Fortschritte machen.

Wenn es tatsächlich gelingt, Menschen auf den Mars zu bringen, wird dies laut Musks Überzeugung weitere Entwicklungen antreiben. Er vergleicht den Effekt mit den Zeiten, in denen Entdecker in ihrem Streben nach Ruhm, Gold und Gewürzen zu umfassenden Fortschritten in der Schiffstechnologie und der globalen Industrie führten.

Musk glaubt daran, dass er mit seinem Vorhaben letztendlich den Mars dem Reich der Science Fiction entreißen kann. Nach seiner Vorstellung wird sich der Mars von einer Welt der Gefahren und Schwierigkeiten zu einer Welt entwickeln, in der Menschen sich wohl fühlen – Musk selbst eingeschlossen.

„Ich glaube, dass der Mars ein attraktives Ziel sein wird“, sagt er. „Er wird der Planet der Möglichkeiten sein.“

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